Sonnenaufgang-am-Berg(c)HannesHeigenhauser
03 - Sep - 2018
von Hannes Heigenhauser

In der Nacht der Sonne entgegen

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3 Uhr morgens. Der Wecker klingelt. Das warme Bett hat dich fest im Griff und es fällt dir schwer, dich loszureißen. Nach ein paar Minuten und einem Frühstück, wobei sich ein Hungergefühl noch nicht eingestellt hat, steigst du ins Auto und fährst in die dunkle Nacht. Leere Straßen winden sich in der Dunkelheit vor dir bis du zum leeren Parkplatz gelangst. Wie in Zeitlupe schulterst du deinen Rucksack und stapfst müde und schlaftrunken los.
Wer sich eine Sonnenaufgangswanderung so schlimm vorstellt, für den ist dieses intensive Erlebnis am Berg wohl nicht das Richtige. Für alle anderen ist es ein Moment innigster Freude und Spannung, wenn die Sonne wie eine große Scheibe über den Bergen auftaucht. Dieses besondere Erlebnis wollte ich mir auch in diesem Sommer nicht entgehen lassen.

3 Uhr morgens... Der Wecker klingelt

Um 06:24 soll die Sonne an diesem Morgen über dem Vorarberger Bergland aufgehen. Und die Wettervorhersage versprach nach den Regengüssen der vergangenen Tage wieder Besserung, weshalb wir uns entschlossen, an diesem Morgen aufzubrechen. Doch gerade die Zeit, bevor die Sonne aufgeht und der Tag anbricht, ist so atemberaubend schön und magisch, dass wir planten etwa eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang am Gipfel zu sein. Und so ist es auch nicht schlimm, als um 03:00 Uhr der Wecker klingelt und wir den Sternenhimmel bewundern können. Ein besonderer Tag beginnt...

Aufbruch zum Gipfel

Nach einer Kleinigkeit zu essen und etwas Tee nehmen wir unsere bereits gepackten Rucksäcke und fahren zum Wanderparkplatz in Warth. Unser Ziel, den Gipfel des Großen Widderstein, kennen wir bereits von mehreren Wanderungen im Sommer, weshalb wir uns zutrauen, diese Tour auch nur im Licht der Stirnlampen bewältigen zu können. Der Parkplatz ist verwaist und so brechen wir alleine auf, nur der Sternenhimmel und die Silhouette des mächtigen Berges sind unsere Begleiter. 

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Wir kommen gut voran und können immer wieder innehalten, um den Sternenhimmel zu bewundern. Unten im Tal sehen wir die Beleuchtung der Straße, die sich wie ein fremdartiges Lebewesen durch das dunkle Tal schlängelt. Kurz nachdem wir die Widdersteinhütte passiert haben geht es im Fels weiter. Hier wandern wir deutlich langsamer und achten auf jeden Schritt, um nicht versehentlich den falschen Weg zu nehmen. Das Gelände ist uns von Wanderungen im Sommer wohl bekannt, dennoch wirkt vieles fremd in der Dunkelheit. 
Doch langsam weicht der Sternenhimmel dem Blau des Morgens, welcher den Sonnenaufgang langsam ankündigt. Kurze Zeit später erreichen wir das markante Gipfelkreuz und machen es uns bequem. Tee und eine ordentliche Jause stehen bereit, doch der Blick schweift ständig Richtung Osten, um die ersten Sonnenstrahlen zu erspähen...

Eine magische Zeit am Gipfel, ein magischer Augenblick am Berg und wir können diesen Moment voll auskosten. Erst als das Licht des Morgens dem des Tages weicht, beginnen wir mit dem Abstieg, um rechtzeitig zurück im Tal und damit zurück im Alltag anzukommen. Doch die Momente und Augenblicke am Berg bleiben gespeichert und zwar nicht in Bildern & Videos, sondern in Emotionen & Gefühlen. Für diese Momente dankbar zu sein fällt nicht schwer.

Disclaimer

Für eine Wanderung zum Sonnenaufgang benötigt man Erfahrung im alpinen Bergsteigen, gute Ausrüstung, stabile Witterungsverhältnisse und gute Ortskenntnisse.

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