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19 - Sep - 2018

Neue Wahrnehmung von Raum, Zeit und Licht

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Oh, habe ich mich auf diesen Tag gefreut: der Skyspace-Lech wird heute endlich eröffnet! Am Arlberg haben wir nun ein Kunstwerk vom US-amerikanischen Lichtkünstler James Turrell. 

11:30 Uhr: mit der Oberlech Bahn nach Oberlech und dann mit der Petersbodenbahn weiter! Ein warmer Herbsttag um Lift zu fahren und bereits die Ansätze der Farben in der Landschaft zu genießen.

12:00 Uhr: kleine Wanderung zur Kriegeralpe wo wir gemütlich unser Mittagessen einnehmen. Die letzte „Horizon-Field Figur“ schaut uns dabei von oben her zu.

12:50 Uhr: Start zur Wanderung über Waibermahd und Grubenalpe zum Skyspace-Lech.

13:20 Uhr: Annäherung an den Skyspace. Es sind schon einige Besucher/innen da, die den Skypace-Lech bewundern. Wir nähern uns auch dem oval-förmigen Gebäude und bestaunen es von der Nähe: Der Skyspace-Lech liegt ein paar Gehminuten von Oberlech entfernt auf der Alpe „Tannegg“. Der ovale und nach oben gewölbte Bau wurde größtenteils unterirdisch in einem Hügel errichtet: „Damit wird er dem Wunsch des Künstlers nach einem möglichst minimalen Eingriff in die Natur gerecht.“, erklärt Otto Huber, Obmann Horizon Field – Kunstverein Vorarlberg. Vor dem Kunstwerk eröffnet sich ein herrliches Panorama, wobei eine Blickachse über den alten Weiler Bürstegg bis hin zum imposanten Gipfel des Biberkopfs reicht. Im Sommer wie im Winter führt ein Wanderweg vorbei und der Skyspace-Lech ist auch von der Skiabfahrt nach Oberlech leicht erreichbar.

13:30 Uhr: Herr Otto Huber begrüßt alle Besucher/innen und gibt das Wort an Pfarrer Jodok Müller, der in seiner Rede auf zwei Punkte hinweist: zum einen, dass der Himmel ja zwei Bedeutungen hat. In der deutschen Sprache ist dies nicht so gut erkennbar wie in der Englischen: hier unterscheidet man zwischen „heaven“ und „sky“ und bei der Installation von James Turrell handelt sich es eindeutig um den „sky“. Der zweite Aspekt, den er erwähnt, ist die Gabe die er hat, in der Natur den Wechsel der Farben zu beobachten. Wie sich ein Bild in der Natur jede Minute, jede Sekunde ändern kann: ob es am Spiel der Wolken liegt, oder an der Einstrahlung der Sonne oder am Wechsel der Jahreszeiten. James Turrell mache wahrscheinlich etwas Ähnliches mit uns und zeigt uns im Wechsel der Lichter neue, andere Perspektiven, als die, die wir bereits kennen.

14:45 Uhr: Frau Andrea Fink nimmt die erste Gruppe zum Innern des Skyspace-Lech mit. Der Zugang zum Kunstwerk erfolgt über einen 15 Meter langen Tunnel, „was als Zitat des Eingangsbereichs des Roden Craters in Arizona, des Hauptwerks von James Turrell, gesehen werden kann“, wie Prof. Wulf Herzogenrath, Akademie der Künste Berlin und profunder Turrell-Kenner, erklärt. Er führt in den ellipsenförmigen 9m langen und 6m breiten „Sensing Room,“ der mit einer für Turrell typischen umlaufenden Sitzbank ausgestattet ist. Die Sitzbank ist voll und alle Besucher in der ersten Gurppe können 15 Minuten Lichtinstallation auf uns wirken lassen. Auch wenn der Raum voll ist, herrscht während der kurzen Vorführung komplette Stille. Ich schaue in die Runde: die Gesichter strahlen Begeisterung aus! Der Bau ist mit einer speziellen Kuppel versehen, die sich öffnen lässt und somit den Blick für den Himmel frei macht - eine Besonderheit, die es bei keinem anderen Skyspace weltweit gibt, so Frau Fink.

Dann geht die Gruppe nach draußen, wo Herr Otto Huber, der Obmann des Vereines Horizon Field das Wort übernimmt. Herr Huber erklärt die Entstehung des Kunstwerks. Als Turrell im September 2014 Lech besuchte, zeigte er sich von der Gebirgslandschaft fasziniert und befand den Ort mit seinen rauen Witterungsverhältnissen als „perfekt“. Die Planung und der Bau dauerten vier Jahre. Die Umsetzung des Kunstwerks war aufgrund der Vereinbarkeit der expliziten Anforderungen des Künstlers und der exponierten hochalpinen Lage eine schwierige Aufgabe, die jedoch perfekt gelungen ist. Beispielsweise muss die Kuppel im Winter enormen Schneemassen standhalten können.
Herr Huber erzählt über den Künstler James Turrell, der aus gesundheitlichen Gründen nicht dabei sein kann. James Turrell ist einer der bedeutendsten Künstler der Gegenwart. Seine Arbeit an der Werkserie Skyspace begann in den 1970ern und umfasst heute über 75 Kunstwerke auf der ganzen Welt. Im Roden Crater, einem erloschenen Vulkan in der Wüste von Arizona, arbeitet James Turrell am größten je von Menschenhand geschaffenen Kunstwerk. Nach astronomischen Berechnungen baut er ein Netz von Skyspaces in das Innere des Kraters, in denen sich natürliches und künstliches Licht zu einem einzigartigen sinnlichen Erlebnis verbinden. Diesem künstlerischen Konzept folgt auch der Skyspace-Lech.
James Turrell ist der erste Künstler, der im Jahr 1997 im Kunsthaus Bregenz ausgestellt wurde und nun nach über zwei Jahrzehnten nach Vorarlberg zurückkehrt.

Her Huber betont, dass die Realisierung des Skyspace-Lech nur dank zahlreicher Spender und Sponsoren möglich war. James Turrell für die Idee eines Skyspace in Lech zu gewinnen, gelang dem Verein in Zusammenarbeit mit Wolfgang Häusler und seiner Galerie Häusler Contemporary, die ebenfalls Vorarlberger Wurzeln hat. Durch den Verkauf von 250 Bausteinen zum Preis von je 1.000 Euro konnte nicht nur ein wesentlicher Teil des Projektbudgets aufgebracht, sondern auch eine große Community gewonnen werden. Insgesamt wurden rund 90% des Projektbudgets aus privater Hand finanziert, ca. 10% kamen aus öffentlichen Mitteln. Ein besonderer Dank gilt den BE Baumschlager Eberle, Gemeinde Lech, Lech Zürs Tourismus, I+R Schertler, Gebrüder Rüf, Land Vorarlberg, Zumtobel Group, Doppelmayr Seilbahnen, EHG – Stahlzentrum, Generali Versicherung sowie allen anderen Unterstützern die unter https://www.skyspace-lech.com/partnerschaften/ zu finden sind.
Skyspace-Lech will ich unbedingt nochmals anschauen und die Lichtinstallation in voller Ruhe genießen. www.skyspace-lech.com/besuchen

18:00 Uhr: in der neuen Leche Kirche. Ein Live – Interview von James Turrell steht auf dem Programm und tatsächlich er spricht zu uns über Leinwand. Er führt ein Interview mit Herrn Wulf Herzogenrath. Dabei meint er, wie er schon öfters betont hat: „Wir sind uns nicht bewusst, dass wir selbst dem Himmel seine Farbe geben“. Er verspricht auch, dass wenn er sich wieder fit fühlt, dass er nochmals nach Lech fahren wird.
Herr Huber stellt dann den Vorstand des Vereines vor und bedankt sich bei allen Beteiligten: der nennt viele Firmen, die mitgearbeitet haben, genauso die Berger Alpe, die an diesem Platz Grundbesitzer ist und alle Sponsoren, die an das Projekt geglaubt haben und mit-gearbeitet oder –finanziert haben.
Herr Bürgermeister Ludwig Muxel freut sich über das neue Kunstwerk in Lech und Herr Landeshauptmann Markus Wallner nennt es ein Punkt der Faszination: wer in die Berge geht, kommt dem Himmel bereits ein Stück näher und diese Nähe bewirkt etwas im Menschen. Solche Plätze bringen uns dazu zu reflektieren über unser Tun und Handeln und auch das tut uns gut. Der Künstler verändert unsere Wahrnehmung mit Raum und Licht. Er bedankt sich bei den Beteiligten für die Initiative, die er als eine Visitenkarte baulicher Kunst betitelt.
Dann lädt die Lech Zürs Tourismus GmbH zu einem gemütlichen Umtrunk ein, bei dem ich nur begeisterte Meinungen sammeln kann.

20:00 Uhr Begeistert über den Tag, über die Begegnungen, über die Worte und über das Erlebte gehe ich glücklich und voller neuer Energie nach Hause

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