Rudolf Knünz
24 - Jan - 2017

Qualität ohne Kompromisse

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Dr. Rudolf Knünz ist der Mann hinter der Wiedergeburt von Kästle.

Spricht man vom Vorarlberger Geschäftsmann Rudolf Knünz, dann kommt in gefühlten neun von zehn Fällen: Der hat KTM saniert. 2007 machte er sich auf den Weg, dem Traditionsunternehmen Kästle neues Leben einzuhauchen. Was einst mit den Toni Sailers, Pirmin Zurbriggens, Anita Wachters und Kjetil André Aamodts der Skiwelt identifiziert wurde, erreicht heute mit Erfolg passionierte Skifahrer, die zu einem Gutteil in den USA daheim sind. Seit heuer befindet sich der Firmensitz wieder im legendären Stammhaus in Hohenems. Wir haben Rudolf Knünz in seinem Wiener Büro zum Gespräch getroffen – und dabei auch viel über seine Liebe zum Arlberg erfahren.

In einem Porträt hat ein Journalist einmal die Frage gestellt, ob Sie ein sauberer Rechner, ein sentimentaler Millionär oder ein liebenswerter Spinner sind. Die Antwort hat er offen gelassen. Wo würden Sie sich selbst einordnen?

Ich würde sagen, ich bin der saubere Rechner, der langfristig denkt und sich manchmal einen Traum erfüllt.

War der Einstieg bei Kästle so ein Traum?

Ich bin seit 1989 in die Skiindustrie involviert und habe die schwierigen 1990er Jahre miterlebt. Da hat schon das Herzblut für eine Vorarlberger Traditionsmarke eine wesentliche Rolle gespielt. Aber Kästle ist kein Hobby von mir. Ich glaube an den Erfolg der Marke und sehe die langfristige wirtschaftliche Perspektive.

Worauf begründet sich Ihr Optimismus?

Offpiste Zürs - Kästle - LZT by Sepp Mallaun

Ich habe genau hingeschaut, als drei junge Burschen Kästle von Benetton übernommen und einen Investor gesucht haben. Vor kurzem ist es uns gelungen, mit Rainer Nachbaur den ehemaligen Entwicklungs- und Produktionschef von Kästle wiederzugewinnen, der auch seine Marke Differences eingebracht hat. Er alleine hebt uns schon wesentlich von der Konkurrenz ab.

Der Start war dennoch nicht leicht...

Die Zeit hätte ungünstiger nicht sein können. Die ganze Welt war gerade durch den Zusammenbruch von Lehman Brothers erstarrt, während wir ein Premiumprodukt auf den Markt bringen wollten.

Warum haben Sie Ihre Strategie trotzdem durchgezogen?

Weil wir uns gleich auf den amerikanischen Markt konzentrierten, wo Kästle immer am besten positioniert war. Skifahren ist ein elitärer Sport in den USA, dort ist alles doppelt so teuer wie in Europa. Hollywoodstars und Investmentbanker sind bereit für österreichische Qualität Geld auszugeben – mit Ski „Made in China“ haben die keine Freude.

Wäre es nicht verlockend, daneben etwas für die breite Masse zu entwickeln?

Kästle Rider Lorraine Huber

Sie müssen sich entscheiden: Premium oder Masse. Beides zusammen geht nicht.

Wie kann der Kunde die Qualität von Kästle messen?

Es ist schwer, den Performanceunterschied im Sportgeschäft zu belegen. Deshalb verkaufen wir zum Beispiel nur über ausgewählte Fachhändler, die entsprechend beraten können. Der Unterschied muss im wahrsten Sinne des Wortes erfahren werden.

Was zeichnet Kästle aus?

Früher musste man einen Kästle-Ski fahren können. Heute fährt man mit einem Kästle ein oder zwei Klassen besser, weil wir das entsprechende Know-how für einen herrlich fahrbaren Ski besitzen, innovative Materialien verwenden und auf Firlefanz verzichten. Kompromisslose Qualität hat übrigens auch für uns ihren Preis, zum Beispiel weil der Ski länger hält. Wir wechseln deshalb das Design bewusst nur alle zwei Jahre, sodass unsere Kunden über mehrere Jahre einen aktuellen Ski fahren.

Sie haben im Gespräch einige Male die USA erwähnt. Mögen Sie das Land?

Kästle Rider Lorraine Huber

Ich erlebe die USA sehr kritisch, auch wenn ich dort immer gute Geschäfte gemacht habe und ab und zu das Skifahren in den Rocky Mountains sehr genieße. Das Denken ist mir allerdings oft zu kurzfristig orientiert. Ich bin begeisterter Europäer.

Sie haben Ihren beruflichen Mittelpunkt seit zehn Jahren in Wien. Sind Sie noch oft in Vorarlberg?

Ich bin ein guter Kunde von People’s – die Fluglinie, die Wien mit Vorarlberg verbindet. Privat genieße ich mein Haus in Lech und auch beruflich gibt’s viele Verbindungen. Regelmäßig bin ich in Hohenems, weil ich den Bezug zu den Mitarbeitern und zum Produkt brauche.

Ihre eigene Leidenschaft fürs Skifahren ist unverändert groß?

Kann man so sagen. Aber ich versuche die Piste zu meiden. Eine Skitour gibt mir Freiheit und Einsamkeit, das macht den Kopf wieder frei.

Wie ordnen Sie den Arlberg in der Hitparade der Skigebiete dieser Welt ein?

Kästle Rider Lorraine Huber

Den Arlberg halte ich für das beste Skigebiet der Welt. Diese Kombination aus anspruchsvollen Pisten und den unzähligen Möglichkeiten im Gelände seine Spuren zu ziehen oder Skitouren zu unternehmen, das ist einzigartig. Ich schätze die Weitläufigkeit – und natürlich die verlässlich gute Schneelage.

Welche persönliche Beziehung haben Sie zu Lech?

Ich bin am Arlberg geboren, er ist meine Heimat. Lech bietet für mich Lebensqualität, auch das Familienleben mit meinen Kindern und Enkeln spielt sich dort ab.

Was schätzen Sie am Arlberg besonders?

Ich würde den Arlberg als Gesamtkunstwerk bezeichnen. Er ist ein Ziel für echte Wintersportler und hat den Charme des Überschaubaren. Hier treffen sich jedes Jahr die gleichen Leute, man kennt sich. So etwas finden Sie in mondänen Destinationen wie Gstaad oder St. Moritz nicht mehr.

Gibt es Geheimtipps, besondere Empfehlungen?

Kästle Rider Lorraine Huber @ WPD

Eine Abfahrt von der Valluga Nord ist noch immer die Krönung eines Skiurlaubs!

Welche Jahreszeit ist die schönste Zeit am Arlberg?

Aufgrund meiner persönlichen Vorlieben schon der Winter. Aber der Sommer hat auch seine Reize, beispielsweise zum Wandern. Nicht zu vergessen das Philosophicum oder das Lech Classic Festival – kulturelle Highlights, die ich auch persönlich unterstütze.

Kästle und Arlberg – gibt es da eine besondere Beziehung?

Da gibt es eine enge Beziehung. Was kaum noch jemand weiß: Die ersten Kästle-Ski wurden vor 90 Jahren unter der Marke „Arlberg“ verkauft. Auch die ersten Kästle-Weltmeister stammten vom Arlberg und heute sind wir stolz auf Lorraine Huber, eine Top-Freeriderin und Kästle-Markenbotschafterin aus Lech. Auch das Kästle-Museum befindet sich nicht aus reinem Zufall am Rüfikopf... Kästle veranstaltet sogar das jährliche Vertriebsmeeting in Lech, denn das gesamte Team sowie Händler aus aller Welt fühlen sich hier einfach zu Hause.

Kästle

WPD
  • Gründung 1924 durch Anton Kästle. Heute hält Dr. Rudolf Knünz mit der Knünz GmbH 85 Prozent am Unternehmen, jeweils 5 Prozent gehören Alexander Lotschak, Chris Davenport und Wolfgang Kappl.
  • Umsatz 2014: 6 Mio. Euro
  • Jährlicher Absatz: 18.000 Paar Ski
  • Kästle-Skier kosten zwischen 600 und 1200 Euro. „Bei Skiern über 1000 Euro halten wir einen Weltmarktanteil von 35 Prozent“, schätzt Rudolf Knünz.
  • Kästle macht ein Drittel des Umsatzes in Nordamerika. Zweitwichtigster Markt ist Österreich, gefolgt von Frankreich und der Schweiz. Hoffnungsmärkte sind Russland und Tschechien.
  • Geschäftsführer ist seit einem Jahr Bernd Knünz (42), ein Großcousin von Rudolf Knünz.
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