Bergportrait Arlberg | Foto: RUDI WYHLIDAL
14 - Nov - 2016

Mitten im Mythos

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Der Arlberg: ein Berg, den es eigentlich gar nicht gibt und der doch als Wiege des klassischen Skisports gilt. Österreichs größtes Skigebiet ist aber auch ein bevorzugtes Ziel für Tourengeher und Freerider.

Wen man frühmorgens am Lift trifft? Heidi - das Original

Gerold und Katja Schneider | Foto: RUDI WYHLIDAL

Wer schon immer einmal wissen wollte, was eigentlich aus Heidi geworden ist, der findet die Antwort frühmorgens an der Talstation der Rüfikopfbahn. Beim zufälligen Plausch erfährt man, dass das wohl berühmteste Almkind der Welt heute hier in Lech am Arlberg zu Hause ist.

Man würde es womöglich nicht glauben, wenn man in der Gesprächspartnerin nicht tatsächlich die kleine wuschelhaarige Heidi aus der Fernsehserie von 1978 wiederentdecken würde. Fast noch unglaublicher ist der Lebenslauf, den die inzwischen 49-jährige Katia Schneider erzählt: als Diplomatentochter in Beirut geboren, zufällig über eine Tante zur Heidi-Rolle und damit zum ersten Mal in die Bergwelt gekommen. Dortgeblieben ist sie nicht. Stattdessen finanzierte ihr die Schauspielerei das Architekturstudium in Paris.

Und doch bin ich wieder am Berg gelandet“, lacht Katia. „Vielleicht Kismet, wenn man so will.“ Sie kam natürlich der Liebe wegen: Ihr Mann Gerold hat zwar in Wien Philosophie und Architektur studiert, führt aber mit dem Almhof Schneider einen der ältesten und feinsten Hotelbetriebe in Lech. „Und im Sommer ziehen wir in unseren Stadel“, sagt Katia noch und lädt uns ein, sie später ebendort zu besuchen. Natürlich kommen wir gerne – aber jetzt geht’s in die erste Gondel.

Freeriden ist das neue Wedeln

Geli Kaufmann | Foto: RUDI WYHLIDAL

Einst mag der Arlberg die Wiege der Wedler gewesen sein, aber heute lassen die Einheimischen die perfekt präparierten Pisten links und rechts liegen. Wie die Freeride-Runde mit Gerold und Katia, die sich jeden Morgen zum „First Run“ trifft und ihre Spuren ins Gelände zieht. Freeriden ist das neue Wedeln, ob drüben auf der Tiroler Seite um St. Anton oder hier im Vorarlberger Lech.

Wir sind mit einer der besten der Zunft verabredet. Angelika Kaufmann ist tatsächlich auf einer Almhütte aufgewachsen. Die 30-Jährige verbrachte ihre Kindheit auf der Balmalp oberhalb von Zug. Sie war lange im alpinen Skirenngeschehen erfolgreich, bevor ihr der Bergführer-Vater die Felle über die Skier zog, sie fürs Tourengehen und Freeriden begeisterte. Sie war österreichische Freeride-Meisterin und steht seit Jahren ganz oben auf dem Podest bei den legendären Rennen wie dem Weißen Rausch oder dem Weißen Ring.

Mit ihr und dem Lecher Trupp stapfen wir also in die frühe Gondel der Rüfikopfbahn. Die Brillen werden auf den Helm geschoben, der letzte Schlaf aus den Augen gerieben. No friends on powder days? Ist das in Lech auch so? Geli lacht und schüttelt den Kopf. „Es ist schon gut, wenn man früh dran ist, aber im Grunde bist du gerade im Powder auf deine Freunde angewiesen. Ohne Freunde keine Sicherheit. Und keine Sorge: Mit Guide findest du am Arlberg immer unverspurtes Gelände.“

Das bestätigt der Ausblick vom Gipfel. Gewaltig, was sich vor uns ausbreitet: die weite, weiße Welt des Arlbergmassivs. Gelis Stock zeichnet den Weißen Ring nach, die berühmte Runde, die wir heute grob abfahren werden...

...Wo man den besten Schwung machen kann und in welcher Hütte man sich dafür stärken kann, steht im großen Arlberg-Portrait im neuen Bergwelten Magazin (Dezember/Jänner 2016).

(c) Bergwelten / Red Bull Media House
TEXT: Sissi Pärsch |  FOTOS: Rudi Wyhlidal

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